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Expert article

MINKT auf dem Notenblatt

In diesem Artikel berichtet Dr. Daithí Kearney über seinen persönlichen Weg als Musiklehrer und darüber, wie MINKT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Kunst und Technik) seinen Unterrichtsansatz beeinflusst hat.
Hands and musical notes
Image: Adobe Stock / ipopba

Vor fast einem Jahrzehnt reiste ich nach Norwegen, um an einem Erasmus-Intensivprogramm teilzunehmen. Ich war in meinem zweiten Jahr als Musiklehrer in Irland tätig und hatte die Aufgabe, Praxis- und Theorieunterricht zu geben In meinem Unterricht legte ich den Schülerinnen und Schülern gewöhnlich Material vor und leitete sie an, dieses sinnvoll zu nutzen. Meine Schüler/innen konnten bereits Musikinstrumente spielen und der gesamte Unterricht konzentrierte sich auf die Musik. In Bezug auf das Erreichen der Lernziele laut Lehrplan hat das gut funktioniert.

 

In Norwegen arbeitete nun ich mit anderen Fachlehrern/-innen von verschiedenen Einrichtungen und aus verschiedenen Ländern zusammen. Ich fand mich in einem fächerübergreifenden Unterricht wieder, zu dem meine Art zu unterrichten nicht passte. Viele Schülerinnen und Schüler beherrschten keine Musikinstrumente und ich hatte keinen vorgeschriebenen, fachspezifischen Lehrplan. Es gab keine herkömmlichen Noten, nach denen gespielt werden konnte, und manchmal dauerte es etwas, bis meine Anweisungen auf Englisch mit meinem irischen Akzent von den Schülern/-innen verstanden wurden, deren Muttersprache nicht Englisch war. Am Ende der zwei Wochen, in denen wir etwas über Bohrinseln, Geistergeschichten und Fotografie gelernt hatten, führten wir eine harmonische Performance durch, bei der wir das kreative Potenzial der einzelnen Teilnehmenden und die Inspiration, die in der Welt um uns herum zu finden ist, stärker wahrnahmen.

 

Musikpädagogin Estelle Jorgenson erinnert uns daran, dass die Schülerinnen und Schüler die aktiven Akteure im Lernprozess sind und es unsere Aufgabe als Lehrkräfte ist, sie dabei zu unterstützen. Doch auch wir brauchen Unterstützung und bei der Zusammenarbeit mit Kollegen/-innen können wir unser Wissen über das „Wie“ und „Was“ des Unterrichts austauschen. Indem wir die Grenzen des fächerspezifischen Denkens aufheben, eröffnen wir neue Perspektiven und Ansätze, die Lehrkräfte und Schüler/innen einbeziehen und sie anregen und herausfordern, fächerübergreifend zu denken und die praktische Bedeutung des Lernens in ihrer Lebenserfahrung besser zu erkennen. Dies untergräbt nicht die Integrität der einzelnen Fächer und die Notwendigkeit fachspezifischen Lernens und Forschens, aber eine flexiblere, fließende Struktur gibt MINKT-Kraft frei.

 

Mein Weg zum kreativen und ästhetischen Lernen führte mich zu MINKT. Als Künstler inspirierte mich die Beschäftigung mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und durch kreative und ästhetische Aktivitäten entwickelte ich ein besseres Verständnis und eine größere Wertschätzung für Konzepte und Ideen, die mich vorher eher abgeschreckt hatten. Durch Singen und Tanzen über Bienen oder die Schwerkraft konnte ich junge Menschen begeistern und sie entwickelten eine emotionale und körperliche Bindung zu den Themen. Meine Unterrichtspraxis hat sich entscheidend weiterentwickelt und ich konnte die explorative Herangehensweise in meinen „eher konventionellen“ Unterricht einbringen. Ich habe Interessen und Kompetenzen meiner Schülerinnen und Schüler über die Musik hinaus kennengelernt.

 

Das, was wir als Künstlerinnen und Künstler tun, wird von unseren MINT-Kollegen/-innen gelegentlich als Luxus abgetan. Zwar genießen sie unsere Darbietungen, aber sie versuchen nicht, sie zu verstehen, bzw. erkennen die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik in unserer Arbeit nicht. Als Künstlerinnen und Künstler sind wir nicht nur bestrebt, unser Verständnis von MINT weiterzuentwickeln, sondern wir zeigen auch, wie wir Menschen in diesen Bereichen informieren und inspirieren können. Gemeinsam können wir die Wunder der Welt um uns herum und darüber hinaus erkunden. Wenn ich als Lehrkraft Freiraum zur Beschäftigung mit MINKT-Inhalten lasse und dabei manchmal auch auf die Musiknoten verzichte, führt das zu kreativeren Leistungen, mit denen mehr als nur die vorgegebenen Lernergebnisse erreicht werden.

 

 

Die Musikethnologe, Geograf und Performer Dr. Daithí Kearney ist Dozent für Musik, Theater und Tourismus und Co-Director des Creative Arts Research Centre am Dundalk Institute of Technology. Er hat an drei Erasmus-Intensivprogrammen teilgenommen – IP CREAL (2012-2015), SPACE (2016-2019) und NEXT STEP (2019-2022) –, bei denen es um MINKT-Strategien im Bildungsbereich ging.

 

 

Additional information

  • Education type:
    School Education
  • Target audience:
    Head Teacher / Principal
    Student Teacher
    Teacher
    Teacher Educator
  • Target audience ISCED:
    Lower secondary education (ISCED 2)
    Upper secondary education (ISCED 3)

Tags

Arts
Science

School subjects

Art
Mathematics / Geometry
Music
Natural Sciences