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Soziales und emotionales Lernen für psychische Gesundheit und Wohlbefinden

Die psychologischen Auswirkungen der Pandemie haben deutlich gemacht, dass die Bildungssysteme fürsorglicher werden müssen, um den sozialen und emotionalen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen zu entsprechen. In diesem Artikel erläutert Carmel Cefai von der Universität Malta, wie dieses Thema angegangen werden kann.
young girls holding hands
Image: Pixabay / MireXa

Jüngste Statistiken zeigen einen besorgniserregenden Trend in Bezug auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Europa und darüber hinaus.

 

  • Etwa 20 % der Schüler/innen leiden während ihrer Schulzeit unter psychischen Problemen, wobei 50 % der psychischen Probleme vor dem 14. Lebensjahr und 75 % zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr auftreten (WHO-Regionalbüro für Europa, 2018).
  • Bei einer Studie mit 10.000 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren gab jedes fünfte Kind an, aufgrund von Mobbing, schulischem Druck und Einsamkeit unglücklich und mit Zukunftsängsten aufzuwachsen (UNICEF/EU, 2021).
  • Suizid ist die häufigste Todesursache bei Jugendlichen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und die zweithäufigste Todesursache in Ländern mit hohem Einkommen (WHO-Regionalbüro für Europa, 2018).

 

Diese besorgniserregenden Zahlen machen deutlich, dass die Bildungssysteme fürsorglicher werden müssen, um den sozialen und emotionalen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen zu entsprechen. Die Forschung zeigt, dass soziales und emotionales Lernen (SEL) positive Einstellungen und prosoziales Verhalten fördert und das Wohlbefinden und die schulischen Leistungen verbessert. Es reduziert auch soziale, emotionale und verhaltensbezogene Schwierigkeiten wie Angst, Depression, Suizid, Drogenmissbrauch und antisoziales Verhalten (Durlak et al., 2011; Goldberg et al., 2019; OECD, 2021). Diese positiven Ergebnisse wurden von der frühen Kindheit bis zur Sekundarstufe in verschiedenen kulturellen und sozioökonomischen Gegebenheiten beobachtet. 

 

Im NESET-Bericht zum verstärkten Einsatz von SEL in der EU (Cefai et al., 2018) wird eine die gesamte Schule umfassende, systemische undevidenzbasierte Strategie vorgeschlagen, bei der ein lehrplanbasierter Ansatz mit einem positiven Schulklima kombiniert wird, um das Wohlbefinden der Lernenden und Lehrenden zu verbessern. Diese Strategie bezieht die gesamte Schulgemeinschaft, d. h. die Mitarbeitenden, die Schüler/innen und die Eltern sowie kommunale Behörden und andere Interessengruppen ein, um SEL auf verschiedenen schulischen Ebenen voranzutreiben:

 

  • Lehrplan: Ein SEL-Lehrplan ist kompetenzbasiert und verfolgt einen erfahrungsorientierten Lernansatz, der sowohl intra- als auch interpersonelle Kompetenzen von der frühen Kindheit bis zur Sekundarstufe fördert.
  • Klima im Klassenzimmer und in der Schule: Ein SEL-Lehrplan muss mit einem positiven Klassen- und Schulklima einhergehen, in dem sich die Schülerinnen und Schüler sicher, einbezogen, respektiert und zugehörig fühlen.
  • Frühzeitiger Einsatz: SEL ist am wirksamsten, wenn es schon in der frühen Kindheit angewendet wird.
  • Einbeziehung der Schüler/innen: Die Schülerinnen und Schüler müssen aktiv an der Entwicklung, Umsetzung und Auswertung des Lehrplans beteiligt werden.
  • Gezielte Interventionen: Ein universeller SEL-Ansatz sollte gezielte Interventionen für gefährdete Schüler/innen, die zusätzliche Unterstützung benötigen, beinhalten.
  • Ausbildung und Wohlbefinden der Lehrkräfte: Die Lehrkräfte müssen in der praktischen Umsetzung von SEL ausgebildet und darin geschult werden, ihre eigenen sozialen und emotionalen Kompetenzen weiterzuentwickeln und für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu sorgen.
  • Zusammenarbeit mit den Eltern: Die Einbeziehung der Eltern wird über einen partizipatorischen Ansatz realisiert, wobei die Eltern darin geschult werden, den SEL-Prozess ihrer Kinder zu unterstützen.
  • Partnerschaft mit den kommunalen Behörden und Experten/-innen für psychische Gesundheit vor Ort: Die kommunalen Behörden und andere Akteure sind entscheidende Ressourcen innerhalb eines systemischen Ansatzes, der die ganze Schule umfasst.
  • Qualitative Umsetzung: Ein wirksamer SEL-Ansatz muss gut geplant und umgesetzt werden. Dafür sind eine adäquate Ausbildung, ausreichende Ressourcen und Unterstützung sowie die aktive Einbeziehung der gesamten Schulgemeinschaft erforderlich.
  • Anpassung an den lokalen Kontext: Die Maßnahmen müssen den kulturellen Kontext der Schulen sowie die Interessen und Bedürfnisse der Schüler/innen berücksichtigen und auf einem partizipativen Bottom-up-Ansatz beruhen.

 

Zusammenfassung

 

Die besorgniserregenden Statistiken über die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen sowie die übereinstimmenden Belege dafür, dass SEL dazu beiträgt, das Wohlbefinden zu fördern und das Auftreten von psychischen Problemen in kritischen Phasen im Leben junger Menschen zu verhindern, machen deutlich, dass das Bildungswesen neu konzipiert werden muss, um den Realitäten und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nach der Coronapandemie zu entsprechen. Die Förderung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit im Rahmen eines die ganze Schule umfassenden, systemischen Ansatzes muss als eines der Hauptziele der Bildung verankert werden.

 

 

Carmel Cefai, PhD (London), FBPS, ist Professor für Psychologie und Direktor des Centre for Resilience and Socio-Emotional Health an der Universität von Malta. Sozio-emotionales Lernen und Resilienz sind zentrale Themen seiner umfangreichen Forschungsarbeit und Veröffentlichungen. Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete er als Lehrer.

 

References

 

Cefai, C., Bartolo, P., Cavioni, V., & Downes, P. (2018). Strengthening social andemotional education as a key curricular area across the EU: A review of theinternational evidence. NESET Report. Luxembourg: Publications Office of the European Union.

 

Durlak, J. A.; Weissberg, R. P.; Dymnicki, A. B.; Taylor, R. D. (2011). The impact of enhancing students’ social and emotional learning: A meta-analysis of school-based universal interventions. Child Development, 82 (1), 474-501.

 

Goldberg, J. M., Sklad, M., Elfrink, T. R., Schreurs, K. M. G., Bohlmeijer, E. T. and Clarke, A. M. (2019). Effectiveness of interventions adopting a whole school approach to enhancing social and emotional development: a meta-analysis. European Journal of Psychology of Education, 34(4), 755–782.

 

OECD (2021) Beyond Academic Learning.

 

UNICEF and the European Union (2021) Our Europe, Our Rights, Our Future.

 

WHO Regional Office for Europe (2018). Adolescent mental health in the European Region.

 

WHO Regional Office for Europe (2020). Spotlight on adolescent health and well-being. Findings from the 2017/2018 Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) survey in Europe and Canada International report.

 

Additional information

  • Education type:
    School Education
  • Target audience:
    Head Teacher / Principal
    School Psychologist
    Student Teacher
    Teacher
    Teacher Educator
  • Target audience ISCED:
    Primary education (ISCED 1)
    Lower secondary education (ISCED 2)
    Upper secondary education (ISCED 3)

Tags

Social skills
Well-being

Key competences

Personal
Personal, social and learning to learn
Social and learning