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European School Education Platform
Interview

Education Talks: Wege zum schulischen Erfolg

Professor Paul Downes, Leiter des Educational Disadvantage Centre am Institute of Education der Dublin City University, äußerte sich kürzlich zu dem neuen Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Empfehlung des Rates über Wege zum Schulerfolg. In dem Dokument werden politische Maßnahmen zur Bekämpfung von Schulabbruch und der geringen schulischen Leistungen in den grundlegenden Kompetenzen ausgeführt.
Interview visual - Paul Downes

Ich bin Professor Paul Downes, Professor für Bildungspsychologie und Leiter des Educational Disadvantage Centre am Institute of Education der Dublin City University.

 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Verbesserung der Bildungsergebnisse?

 

Eine große Sorge ist der tödliche Cocktail aus Armut und den Auswirkungen der Pandemie. Bereits bei PISA 2018 haben wir eine sehr besorgniserregende Verschlechterung bei den grundlegenden Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bei mehr als jedem/r fünften Schüler/in in Europa festgestellt.

 

Wie definieren Sie schulischen Erfolg?

 

Ich verfolge einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Erfolg als Wohlbefinden und soziale und persönliche Weiterentwicklung unserer Kinder und Jugendlichen betrachtet wird. Neben den sozialen und persönlichen Kompetenzen muss die Selbstwahrnehmung entwickelt werden und hier spielt natürlich auch die Mobbing-Prävention eine Rolle, denn Mobbing ist das Gegenteil von gesunder Kommunikation.

 

Die Empfehlung des Rates über Wege zum schulischen Erfolg

 

Ein wesentlicher Aspekt der neuen Initiative ist zweifellos die Aufforderung an die Mitgliedstaaten, Präventionsstrategien gegen Schulabbruch und Mobbing zu kombinieren. Dazu wurde eine Reihe von Ebenen zur Empfehlung des Rates von 2011 hinzugefügt. U. a. ist eine stärkere Konzentration auf die Differenzierung des Bedarfs nötig, um universelle strategische Ansätze von gezielten gruppenspezifischen Ansätzen und von einer intensiven Individualbetreuung zu unterscheiden.

 

Der Differenzierungsaspekt ist ein wesentlicher Unterschied. Außerdem wird ein schulumfassender Ansatz gewürdigt, der im Konzept von 2011 nicht enthalten war. Er besagt, dass wir Schulen als Systeme betrachten müssen, Systeme aus Beziehungen, aus strategischen Interventionen und natürlich aus den multidisziplinären Teams in den Schulen und in deren Umfeld. Durch diese fächerübergreifende Methodik sollen die einzelnen Fachbereiche miteinander verknüpft werden.

 

Wie können wir die Schüler/innen unterstützen?

 

Einige offensichtliche Maßnahmen auf der Ebene der Prävention müssten fest verankert werden und wären durch eine gute Evidenzbasis gestützt. Das wären zum Beispiel Buchprogramme für Familien in großer Armut, um dafür zu sorgen, dass es zu Hause gutes Lektürematerial gibt und die Liebe zum Lesen geweckt wird, was nicht nur für die Lesekompetenz, sondern natürlich für alle schulischen Leistungen von zentraler Bedeutung ist.

 

Was den Grad der Intervention betrifft: Am naheliegendsten wäre zum Beispiel das Luxemburger Modell, bei dem es Sprachvermittler/innen für – in diesem Fall – etwa 37 verschiedene Sprachen gibt. Diese Sprachvermittler/innen kümmern sich dann um Schüler/innen mit Sprachproblemen.

Was den Aspekt der Kompensation betrifft: Ich glaube, man kann aus der kompensatorischen Bildung Lehren für die Regelschulen ziehen. Dazu gehört zum Beispiel die öffentliche Würdigung von Leistungen durch Auszeichnungen und Zeremonien. Das ist etwas, das nichts kosten würde und sehr viel mehr in das allgemeine Bildungssystem eingebracht werden könnte.

 

 

Wie können wir die Lehrkräfte unterstützen?

 

Eine ganz eindeutige Chance sehe ich hier im gesamten Bereich der Restorative Practices, einer Reihe von relativ einfachen Frage- und Kommunikationsansätzen, die von der Restorative Justice, einer völlig anderen Initiative, klar zu trennen sind. Die Restorative Practice an Schulen besteht darin, auf eine kostengünstige, einfache und gleichzeitig sehr nuancierte und konzentrierte Weise die kommunikative Kultur durch offene Fragen zu verbessern, die dazu beitragen, Empathie und Perspektivenwechsel zu fördern, nicht nur bei den Schülern/-innen, sondern auch bei den Mitarbeitenden.

 

Welche Maßnahmen können schulumfassende Ansätze unterstützen?

 

Bei schulumfassenden, systemischen Ansätzen müssen die Ansichten der Schüler/innen und Eltern, insbesondere von marginalisierten und von Ausgrenzung bedrohten Schülern/-innen, und ihre Probleme mit dem Schulsystem berücksichtigt werden. Natürlich geht es bei der multidisziplinären Teamdimension dann darum, unsere Konzeption von Schule zu erweitern. In der Schule geht es nicht nur um Lehrkräfte und Schüler/innen. Schule ist auch ein Ort, an dem sich eine Reihe von wichtigen Experten/-innen mit den umfassenderen ganzheitlichen Anforderungen der Unterstützung unserer Kinder und Jugendlichen befassen können.

 

Wesentliche Elemente der „Wege zum schulischen Erfolg“

 

  • Prävention/Intervention/Kompensation
  • Ein schulumfassender Ansatz
  • Die Bedürfnisse der Schüler/innen
  • Beteiligung/Leistung/Wohlbefinden
  • Datenerfassung und -verfolgung
  • Systemische Ansätze

 

 

Additional information

  • Education type:
    School Education
  • Target audience:
    Government / policy maker
    Head Teacher / Principal
    Student Teacher
    Teacher
    Teacher Educator

Tags

Inclusion
Policy development
Tackling early school leaving
Well-being

Key competences

Personal
Personal, social and learning to learn
Social and learning